Signalkrebs

Der Flusskrebs stammt ursprünglich aus Nordamerika. Als die Bestände einheimischer Speisekrebse durch einen gefährlichen Pilz abnahmen, musste Ersatz her. Die nordamerikanischen Verwandten sind gegen den Pilz immun. Diese und andere Fähigkeiten verhalfen dem Signalkrebs zu einer schnellen Ausbreitung.

Seinen Namen verdankt der Signalkrebs den hell gefärbten Scherengelenken.  (Uwe Heidenreich / BUND Hockenheimer Rheinebene)

Aussehen und Verhalten

Der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) ist ein Flusskrebs, der ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas stammt. Seinen Namen verdankt er seinen auffallend hell gefärbten Scherengelenken, die ihn von heimischen Arten wie dem Edelkrebs unterscheiden. Signalkrebse werden bis zu zehn Jahre alt und sind hauptsächlich nachts aktiv. Zu den äußeren Merkmalen des Signalkrebses gehören:

  • braune Färbung
  • mächtige Scheren, an der Unterseite rot bis orange gefärbt mit weiß bis hellblau gefärbten Gelenken
  • keine Dornen in der Nackenfurche
  • Größe von 12 (Weibchen) bis 15 Zentimeter
  • Gewicht von 80 (Weibchen) bis 200 Gramm

Fortpflanzung

Signalkrebse werden ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Tiere paaren sich im Herbst, wenn die Wassertemperaturen sinken. Dabei heften die Männchen zunächst Spermienpakete an den Bauch der Weibchen an. Diese legen innerhalb von etwa zehn Tagen ihre Eier ab, die sie unter dem Bauch bis zum Frühjahr austragen. Von Mai bis Juli schlüpfen die Larven. Die Jungtiere bleiben zunächst bei der Mutter und werden erst nach der zweiten Häutung langsam selbstständig.

Lebensraum und Nahrung

Signalkrebse leben in Flüssen und Bächen, vor allem in strömungsfreien Bereichen mit viel Bewuchs und Versteckmöglichkeiten. Sie graben sich Wohnhöhlen in die Uferböschung, unter Steine oder Baumwurzeln. Verschmutzungen und Wassertemperaturen stören sie weniger als heimische Arten. Die Tiere sind Allesfresser und verwerten sämtliches organisches Material – auch Aas. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Wasserinsekten
  • Weich- und Krebstiere
  • Fische inklusive deren Laich und Larven
  • Abgestorbenes tierisches und pflanzliches Material   
  • Algen und Wasserpflanzen

Verbreitung in Baden-Württemberg

Signalkrebse kamen in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Europa. Weil sie schnell wachsen und groß werden, wurden sie in einigen Regionen Europas für den Speisekrebsmarkt in Krebszuchtanlagen aber auch im Freiland eingesetzt. Auch Tiere aus dem Aquarienhandel entkamen in die Natur oder wurden dort ausgesetzt. Mittlerweile haben sich Signalkrebse in fast allen europäischen Flüssen und Bächen etabliert. In Baden-Württemberg existieren größere zusammenhängende Bestände in Oberschwaben, Südbaden und Hohenlohe.

Signalkrebse als invasive Art

In Europa gelten Signalkrebse als invasive Art, da sie mehrere Kriterien dafür erfüllen:

  • Sie übertragen die Krebspest. Signalkrebse sind gegen diese durch einen Pilz verursachte Infektionskrankheit immun. Bei den heimischen Arten infiziert der Pilz unter anderem die Augen und führt nach ein bis zwei Wochen zum Tod. Die Pilzsporen gelangen bei Häutung oder Tod der Tiere massenhaft ins Wasser. Dort können sie bis zu drei Wochen überleben und auch über Gummistiefel oder Kescher weiter verschleppt werden.
  • Sie sind direkte Konkurrenten heimischer Arten um Lebensraum und Nahrung. Weil sie aggressiver sind und sich schneller vermehren, verdrängen sie diese.
  • Bei hohen Bestandsdichten sind sie auch Bedrohung für Fische, andere wirbellose Tiere und Wasserpflanzen.

Einmal etabliert sind Signalkrebse nur noch in kleinen abgeschlossen Gewässern wieder zu entfernen. Die beste Maßnahme ist deswegen, die drei heimischen Flusskrebsarten zu schützen: Edelkrebs, Steinkrebs und Dohlenkrebs. Alle drei sind stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht und deswegen europarechtlich geschützt. Um sie zu schützen, braucht es

  • natürliche Fließgewässer in gutem ökologischem Zustand,  
  • eine hohe Wasserqualität ohne Belastung durch intensive Landwirtschaft und Pestizide in Gewässernähe oder sonstige Schadstoffe,
  • 5 bis 10 Meter breite, naturnahe Gewässerrandstreifen,
  • Prävention gegen die Krebspest (Wanderhindernisse oder Krebssperren)
  • Information der Bevölkerung über die potenzielle Verbreitung der Krebspest durch Stiefel, Netze oder Fische sowie über die Gefahren durch das Aussetzen von Aquarientieren in den Gartenteich oder ins Freiland.

Unnützes Wissen

  • Kalifornisch: Die ersten Tiere, die nach Europa kamen, stammten aus dem Lake Tahoe im US-Staat Kalifornien
  • Produktiv: Etwa 300 Eier legen die Weibchen zur Paarung
  • Gut zu Fuß: Kann bis zu zwei Kilometer über Land zurücklegen, um in ein neues Gewässer zu gelangen.

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